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Archäologische Fakten zum Trägerrock (Birka)

Teil I - Birka

 

Die Hauptgrabungen in Birka fanden in den 1870er Jahren unter der Leitung Hjalmar Stolpes statt und brachten eine große Menge textilen Fundgutes aus dem 9. und 10. Jahrhundert hervor. Die Fragmente wurden verwahrt und später von Agnes Geijer (1938) und Inga Hägg (1974, 1986) genauer analysiert.

In über hundert der 128 Gräber mit Schalenfibeln fanden sich ebenfalls Fragmente des Smokkr (Trägerrocks). Die überwiegende Mehrheit dieser Fragmente waren kleine Stoffschlaufen, welche den Trägerrock mithilfe der Fibeln verschlossen. Manche dieser Schlaufen waren noch am Hauptteil des Rocks befestigt, wodurch sich die Fragmente leichter dem Smokkr zuordnen ließen. Allerdings war ein Großteil dieser Schlaufen losgelöst, sodass Inga Hägg die Textilfragmente nur aufgrund der Position im Grab einem bestimmten Kleidungsstück zuordnen konnte.

 

Die Form des Trägerrocks

Die Meisten der Textilfragmente in den Gräbern aus Birka sind extrem klein und geben damit nur sehr geringen Aufschluss über die Form des Trägerrocks. Unter den Schalenfibeln allerdings wurde genügend Stoff konserviert, um zu wissen dass die obere Kante nach innen gefaltet und festgenäht wurde. Keine weiteren Nähte sind an den übrigen Fundstücken erhalten geblieben (Hägg 1986, Seite 62).

In Grab 597 sind außergewöhnlich große Textilfragmente aus Wollstoff erhalten geblieben. Das Grab enthielt ein Stück Diamantköper mit deutlichen Abdrücken einer Schalenfibel und Abnutzungserscheinungen, die darauf schließen lassen dass es sich um ein Teil der Vorderseite handeln musste. Das obere Ende wurde nach innen gefaltet. An der Stelle, wo normalerweise die Trägerschlaufe befestigt gewesen wäre, ist das Stück ausgerissen. Dies passt gut in das restliche Fundbild, wonach auf der Rückseite der Schalenfibel eine lose Leinenschlaufe mit Wollfasern daran gefunden wurde (Hägg 174, Seite 44).

Beide Seiten des Wollstoffs sind abgerissen, jedoch fügt sich die eine Seite perfekt an ein weiteres großes Stück desselben Stoffs. Zusammen ergeben diese beiden Fragmente das größte erhaltene Stück eines Trägerrocks im gesamten Birka Fundmaterial (597:3).

Das gleiche Grab enthielt außerdem ein weiteres Stück dieses Stoffs, welches zusammen mit einer anderen Stoffschicht an die Überreste des Körpers gepresst war. Hägg vermutet – sofern die Schichten richtig interpretiert wurden – dass dieses Fragment zur Rückseite des Trägerrocks gehörte (Hägg 1974, Seite 44).

 

 

Gefütterte Trägerröcke

Einige der Birkagräber enthalten Hinweise darauf, dass der obere Rand des Trägerrocks zusätzlich auf der Innenseite verstärkt oder gefüttert wurde. Eines dieser Gräber ist Bj464 (464:2b). An dem Rest einer Leinenschlaufe haftete ein Fragment dunkelblauer Wolle. Die Innenseite des Wollstoffs lag auf einem Leinenfragment und ein Seidenband wurde wie ein Schrägband über beide Teile gefaltet. Hägg interpretiert diesen Fund als blauen Trägerrock, auf der Innenseite mit Leinen gefüttert und auf der Außenseite mit einem Seidenband verziert (Hägg 1974). Die Oberkante des Seidenbands und damit die Oberkante des Smokkrs lag etwa 2cm innerhalb der Schalenfibel. Dies bedeutet, dass die Schlaufen des Trägerrocks recht kurz waren und vermutlich komplett von den Schalenfibeln verdeckt wurden.


Dieses Grab enthielt einige weitere Textilfragmente des dunkelblauen Wollstoffs. Ein Teil macht den Anschein, als habe es sich vom größeren Fibelfragment losgelöst. Es wurde an zwei Seiten gefaltet und bildet so eine Kante etwa 4cm außerhalb der Schalenfibel (464:5). Es ist unklar, ob die vertikal verlaufende Schnittkante des Stoffs gesäumt oder auf ein anderes Teil des Trägerrocks aufgenäht wurde (Hägg 1974, Seite 39 – 40 und 54).

Andere Fragmente des blauen Wollstoffs hafteten an einer Bronzekette und einem Messer, welches von einer der Schalenfibeln herabhing. Hierdurch kann man davon ausgehen, dass das Kleidungsstück mindestens bis zur Hüfte reichte (Hägg 1974, Seite 40).

Es gibt nur wenige Funde, welche auf gefütterte Trägerrocke schließen lassen. Das kann entweder bedeuten, dass nur wenige der Kleidungsstücke überhaupt zusätzlich mit Leinen gefüttert wurden. Oder aber in den meisten Fällen konnte nicht unterschieden werden, ob der Leinenstoff dem Smokkr, Unterkleid oder Unterhemd angehörte.

Von den über 100 Gräbern mit Trägerrockfragmenten beschreibt Inga Hägg mehr als 36 detailliert in ihrer Analyse im Jahr 1974. Manche dieser Fragmente stammen wahrscheinlich von einem Untergewand oder einer Leineneinfassung/-fütterung eines wollenen Trägerrocks. Fast alle dieser Untergewänder oder Fütterungen bestanden aus Leinen. Eine Ausnahme bildet das Grab 973, in welchem die Überreste eines Trägerrocks aus Wollstoff in gebrochenem Diamantköper lag. Dieser wurde mit einer gerippten Wolle gefüttert, aus welcher auch die Trägerschlaufen bestanden (Hägg 1974, Seite 47). Die Naht auf der Oberkante des Kleidungsstücks wurde durch eine Kordel verdeckt. In Grab 954 wurden Wollfragmente eines Trägerrocks gefunden, an welchen lose Nähte hafteten. Dies lässt auf ein Innenfutter schließen, allerdings wurden keinerlei Spuren desselbigen gefunden (Hägg 1974, Seite 58).

Die in Birka gefundenen Leinenfragmente sind zu klein, um sicherzustellen ob der Trägerrock nur an der oberen Kante eingefasst bzw. verstärkt wurde, oder ob der ganze Rock gefüttert wurde. Agnes Geijer geht nur von einer teilweisen Fütterung aus.

 

Bildquellen und Übersetzung aus dem Englischen von http://urd.priv.no/viking/smokkr.html#ev-birka



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